Preis der Leipziger Buchmesse 2021

Große Sprachkunst
Iris Hanika, Heike Behrend und Timea Tankó haben den Preis der Leipziger Buchmesse 2021 erhalten. Die siebenköpfige Jury zeichnete Iris Hanika in der Kategorie Belletristik für ihr Werk "Echos Kammern" und Heike Behrend in der Kategorie Sachbuch/Essayistik für "Menschwerdung eines Affen" aus. In der Kategorie Übersetzung würdigte die Jury Timea Tankó für die Übertragung aus dem Ungarischen von "Apropos Casanova".
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Riskantes Schreiben
In der Kategorie Belletristik ging die Auszeichnung an die deutsche Autorin Iris Hanika für ihren Roman "Echos Kammern" (Droschl Verlag). Vielfach prämiert, erhielt sie den Preis vor allem auch für ihr "riskantes Schreiben". "Doch was genau in Iris Hanikas herrlich palimpsesten Roman zwischen Berlin und New York geschieht, ist kaum seriös in aller Kürze zu erzählen. Es blitzt und spiegelt, experimentiert nur so vor sich hin", heißt es in der Jurybegründung. "Iris Hanika schreibt unbeirrt und seit fast drei Jahrzehnten ihre Literatur, schreibt auf ihrem Stern, an ihrem Stern. Als eine der eigensinnigsten Stimmen der deutschen Gegenwartsdichtung, die mit brutal klarem und unverschämtem Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse schauen kann. Und dann wieder unheimlich erheitert."
Der Welt öffnen
Für ihren Titel "Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung" (Matthes & Seitz Berlin) erhielt Heike Behrend den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch und Essayistik. "Nur wer sich selbst für die Welt öffnet, wird auch in ihr heimisch werden. Diese Erfahrung ist das zentrale Moment des Buchs von Heike Behrend", lobt die Jury den Bericht der Ethnologin und Religionswissenschaftlerin über vier ethnografische Forschungen in Kenia und Uganda in einem Zeitraum von fast fünfzig Jahren. "Geisteswissenschaft in der Form, wie Heike Behrend sie teilnehmend beschreibt, ist im besten Sinne Geistesbeschwörung: Sie provoziert zu einem Blick, der intellektuell agiert statt visuell. Ihr Buch ist eine ebenso köstliche wie kostbare Lektüre, die unsere Horizonte weit verschiebt, ohne dabei eine politische Agenda vermitteln zu wollen."
Übersetzen, in dem man mitdenkt
In der Kategorie Übersetzung wiederum wurde die Dolmetscherin und Übersetzerin Timea Tankó geehrt. Sie übertrug Miklós Szentkuthys "Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus" (Die Andere Bibliothek) aus dem Ungarischen ins Deutsche. "Wie lässt sich so etwas Quecksilbriges, sich jeder Zuordnung Entziehendes, wild Fantasierendes und zugleich messerscharf Argumentierendes in eine andere Sprache bringen? Die Antwort kann nur lauten: indem man mitdenkt. Und nichts anderes tut Timea Tankó", erklärt die Jury. "Ihre deutsche Fassung wird der intellektuellen Beweglich-, ja Quirlichkeit Szentkuthys absolut gerecht, dank ihr gerät man unweigerlich in den Sog seiner kapriolenhaften Gedankenflüge – und ohne, dass einem flau dabei wird."
Über den Preis
Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse ehrt seit 2005 herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig unterstützen den Preis der Leipziger Buchmesse. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin. Medienpartner sind das Kundenmagazin "buchjournal" und Deutschlandfunk Kultur. Für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse wurden insgesamt 389 Werke eingereicht.
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